Mittwoch, 16. März 2011

Best of Mitbewohnercasting Teil 1


Hallo Mädelz,
heute mal ein ganz unkosmetisches Thema. Meine Mitbewohnerin wird ein halbes Jahr lang weit weg arbeiten und weil wir uns gut verstehen, eine schöne Wohnung in Hamburg ungefähr so leicht zu bekommen ist, wie frischreduzierte Kleidung der Größe M im H&M onlineshop und sie nicht doppelt Miete zahlen möchte, haben wir beschlossen einen Zwischenmieter für die Zeit zu suchen. Ganz einfach denkt man, der Zeitraum geht ziemlich genau über ein Unisemester und der Wohnungsmarkt ist knapp –da sollte sich doch was geeignetes finden! Es wird also eine Anzeige geschrieben und auf einschlägigen Seiten veröffentlicht. Drin steht unter anderem: Der genaue Zeitraum von 6 Monaten– Das Zimmer ist möbliert – in der Wohnung wird geraucht – Nicht jünger als 20, nicht Älter als 30 bitte! Ein paar Stunden später quilt das mailpostfach über und wir freuen uns schon aufs Lesen!

Gruppe Nr. 1 -Die Legastheniker:

Geschätzte 50 Anfragen bekommen wir in denen gefragt wird, ob man auch für 1,3,4,5,8 Monate oder für immer bleiben könne. Bei einem perfekten Kandidaten wären 5 Monate schon ok…aber ein Monat? Oder 8? Oder für immer? Dann sollen wir zu dritt da wohnen oder wie? Nein, danke!

Das schönste Gespräch lief etwa so ab: Ein Mädchen,  kommt vorbei und guckt sich das Zimmer an.
Sie: Wieso stehen denn da Möbel. Wohnt da noch jemand?
Ich: Ja, sicher ….  zieht ja erst Anfang April aus.
Sie: Aha, dann kann ich nicht jetzt einziehen? Ich bin aus meiner Wohnung geflogen und hab grade keinen Lagerplatz für meine Möbel.
Ich: Hm, ne und das Zimmer bleibt ja sowieso möbliert.
Sie:  Wie möbliert? Und meine Sachen?
Ich: Na meine Mitbewohnerin kommt ja wieder und sie zieht auch in ein möbliertes Zimmer.
Sie: Wie? Die kommt wieder? Ist das begrenzt oder was? Davon hab ich aber nichts gelesen…
Ich:  Hm, ist ja komisch, wo hast du denn die Anzeige gelesen?
Sie: www.Zwischenmiete. de

 Dazu fällt mir echt nichts mehr ein….

Gruppe Nr. 2 -Die Perversen:

Nachdem das Angebot veröffentlicht wurde, durfte ich mich erstmal an Gestöhne übers Telefon erfreuen. Meist ganz schlicht und direkt, einer war aber auch kreativ und hat vorgetäuscht eine Umfrage durchführen zu wollen bevor er gesagt hat, dass er sich eigentlich nur einen runterholen möchte. Na herzlichen Dank, darauf hab ich ja noch weniger Lust, als auf die Umfrage…  An diesem Punkt hab ich meine Mitbewohnerin gebeten die Telefonnummer aus dem Internet zu entfernen.

Gruppe Nr. 3 -Die Jung gebliebenen:

Ausschließlich Männer und vermutlich auch Gruppe 2 zuzuordnen, überlesen charmant die Altersbegrenzung und sehen gar nicht ein, warum man kein Interesse daran hat mit ihnen zusammenzuleben. Ich gebe zu, ich habe Vorurteile (und zwar große) älteren Männern gegenüber, die in ein möbliertes Zimmer in einer Mädchen Wg (Mitte 20) ziehen wollen. Nennt mich spießig aber da KANN doch was nicht stimmen. Und es bestätigte sich immer wieder. Der hartnäckigste Kandidat, nennen wir ihn Rolf, erzählt mir am Telefon seine ganze Lebensgeschichte. Nach dem 3. abgebrochenen Studium, der 7. Berufsbezeichnung und mehreren Ehen, beginne ich mich zu wundern, wie ein 29jähriger in seinem kurzen Leben all das schaffen konnte. Leider komme ich nicht zu Wort und meine Zwischenfragen werden gekonnt ignoriert. Rolf bezeichnet sich selbst als „Lebenskünstler“ und „echt guten, lockeren Typen“, ich mache auf ihn „einen sehr reflektierten Eindruck“, deswegen kann er gar nicht verstehen warum ich immer wieder nach seinem Alter frage. Als ich auf eine Antwort beharre, gibt er zu, dass er zwar über 40 ist, sich aber vieeeell jünger fühlt und auch von wirklich JEDEM so eingeschätzt wird. Wenn meine Freunde auf ein Bier zu Besuch kommen, trinkt er gerne mit. Ahja wer hätte das gedacht. Nach einer halben Stunde Diskussion hat Rolf genau erklärt, dass er es als einen Verlust für mich sieht, wenn er nicht einzieht. Irgendwann schaff ich es wieder zu Wort zu kommen, sag ihm, dass es nichts wird und er bitte nie wieder anrufen soll. So unfreundlich war ich noch nie aber was soll man machen…

Teil 2 folgt...

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