Mittwoch, 8. August 2012

Zahnarztphobie

Hallo Mädelz,
hatte ich schonmal erzählt, dass ich eine ziemlich ausgeprägte Zahnarzt-Phobie habe? Das Geräusch von Bohrern und Saugern, diese Situation, wenn man so ausgeliefert auf dem blöden Stuhl sitzt und überhaupt... wenn ich wählen dürfte, mir ein Loch in den Zahn bohren oder nen Finger abhaken zu lassen... ich würd den Finger nehmen!

Es ist so schlimm, dass ich zwischenzeitlich ungefähr 8 Jahre lang nicht da war. Bis eines Abends beim Zähnputzen plötzlich ein erschreckend großes Stück Backenzahn laut klirrend in den Ausguss fiel *grusel* In dem Zahn war eine Füllung, unter der er wohl weggefault sein muss *brrrr* Schmerzen hatte ich aber nie und es ist auch nicht so, dass ich nur schwarze Stumpen im Mund hätte. So war es bis dahin ganz leicht sich zu drücken aber mit einem halbverfaulten, abgebrochenen Backenzahn... nunja. 

Was folgte waren einige sehr dramatische Besuche bei Zahnarzt und Kieferchirurgen, obwohl ich stark auf die 30 zugehe, in Mama-Begleitung und mit viel Heulerei. Zu meinem Glück im Unglück, hatte ich auch noch Weisheitszähne, die dermaßen bescheiden parallel zum Kiefer gewachsen waren, dass ich um eine Op unter Vollnarkose ohnehin nicht rumgekommen wäre, also entschloss man sich zu einer Komplettsanierung - sprich Weisheitszähne raus, der faulige Zahn raus und alles was sonst noch an kleinen Löchern da war, auch gleich füllen. Von der Sache an sich habe ich also nichts mitbekommen, die Schmerzen danach waren allerdings nicht zu verarchten und mit einem Mal war es leider nicht getan. An Stelle des Gammelzahnes sollte ich nämlich ein Implantat bekommen, unglücklicherweise war mein Kiefer an der Stelle aber so schmächtig, dass der erstmal mit einer weiteren Operation aufgebaut werden musste. Die Folgen diese OP waren noch 100 mal schlimmer! Das Ganze tat Höllenweh und mein Gesicht war so angeschwollen, ich sah aus wie das Michelinmännchen, nur nicht so niedlich. Wenn ich nach draußen gegangen wäre, hätten Kinder mit Steinen auf mich geworfen - ganz sicher! 


Nun gut, das war also eine Erfahrung, die einem eigentlich eine Lehre sein sollte "Kleinigkeiten" nicht so lange rauszuschieben. Leider lerne ich aber nicht aus meinen Fehlern und aus den 6 Monaten, die zum Heilen des Kiefers angesetzt waren, wurden fast 2 Jahre *hust.* Am Montag war ein  Termin zum "nachgucken" angesetzt, den ich auf Druck der Familie vereinbart hatte. Da der Chirurg mich ja schon kennt hat er zwar wirklich nur nachgeguckt, mir dann aber gesagt, weil ich so ein Angsthase sei, solle ich direkt morgen wiederkommen, um die Schraube für das Implantat einsetzen zu lassen *kreisch.* In Begleitung meines Freundes, dem Verräter, blieb mir nichts anderes übrig als zuzusagen und so war es dann gestern soweit.

  Und nun mal im Ernst: Das Zahnfleisch wird mit einem Messer aufgeschnitten, damit ein Loch in meinen Kiefer gebohrt werden kann? Mit einem Bohrer! Mehrere Centimeter lang? So dass eine massive Schraube reingedrückt werden kann? Ja, klar... nicht mit mir!! 

Zwei Nächte zuvor hatte ich nicht geschlafen, auf dem Weg zum Arzt wär ich am liebsten aus dem Autofenster gesprungen, so schlecht war mir und dort angekommen, war ich so aufgelöst, dass auch eine sofortige Baldrianversorgung mich nicht vom sturzbäche-Heulen abhalten konnte. Mein Freund dachte glaube ich, er befände sich in einer Freakshow, das Ausmaß der Zahnarztangst war ihm wohl nicht klar. Nachdem die Spritzen gesetzt waren, musste ich ihn dann auch bitten den Behandlungsraum zu verlassen, um dem Arzt unter Schluchzen mitteilen zu können, dass ich unter keinen Umständen zulassen könne, was hier geplant war. Der arme Mann, ich sags euch: Eine 28 jährige mit Hello Kitty Taschentüchern und Wimperntusche im ganzen Gesicht, die darauf besteht nun umgehend den Raum verlassen zu dürfen :D Der Arzt ist wirklich sehr nett, er hat eigenhändig sämtliche Schminke, Tränen und Schnodder weggewischt und mit einer Engeldgeduld versprochen, dass ich absolut nichts merken würde und dass die Weinerei auch wirklich gar nicht peinlich und schließlich ganz normal sei unter Anspannung :D Ja, klar...


Lange Rede, kurzer Sinn: Der Eingriff an sich war - bis auf die Spritzen - tatsächlich schmerzfrei. Mein eigenes unmögliches Verhalten und das Kopfkino waren eindeutig der schlimmste Teil. Nun sitz ich Zuhause mit einer dicken Backe und kann zwar einerseits schon wieder drüber lachen, andererseits mach ich mir aber sorgen, was in 4 Monaten passiert, wenn die Zahnärztin beim Annpassen des künstlichen Zahnes woanders ein Loch entdecken sollte *grusel* Irgendwie muss ich diese Angst mal in den Griff bekommen, vllt. ja mit Hilfe eines therapeutischen Blogposts ;)

Wie steht ihr zu Zahnärzten? Könnt ihr locker, flockig hingehen? habt ihr sowieso nie ein Loch? Oder werdet ihr auch zur Drama Queen?

Kommentare:

  1. Ich bin genau wie du... und erwarte auch so ein Stück Backenzahn im Ausguss... jeden Tag...

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  2. Hallo!
    Du hast ja wirklcih eine ausgeprägte Angst! Ich hatte das Problem immer als ich noch kleiner war. Mein damaliger Zahnarzt konnte so gar nicht mit Kindern umgehen und bohren hörte sich damals schon nach etwas gruseligem unschönen an. Wir haben dann schließlich den Zahnarzt gewechselt. Da wurde dann auch mein Teddybär (damals mein ständiger Begleiter ^^)mitverarztet. So konnte ich wenigstens etwas Vertrauen zum Zahnarzt aufbauen. Aber gebracht hat es nichts. Meine Mutter arbeitet dort als Zahnarzthelferin, das machte die Sache aber auch nicht besser. Irgendwann hat sich das bei mir einfach gelegt. Ich geh nun regelmäßig, in der Hoffnung durch die Fülle keine Löcher zu bekommen. Aber die ganzen Geräusche dort mag ich auch nicht, einfaches Zähne "polieren" treibt mir noch heute die Tränen in die Augen. Auch wenn es nicht weh tut - das Geräusch ist einfach nur unangenehm.
    Wünsch dir auf jedenfall eine gute Besserung und eine schnelle Genesung :) Ich drück dir die Daumen, dass du es in 4 Monaten hinter dir hast =)

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    1. Danke fürs Daumen drücken! Das mit dem Teddy ist ja süß, sowas wünsch ich mir auch :D Einfach oft hingehen ist bestimmt genau richtig, dann werden die einzelnen Behandlungen weniger schlimm und man gewöhnt sich vielleicht irgendwann dran. Ich glaube bei mir liegt es auch an einem unsensiblen Zahnarzt, den ich hatte, als ich klein war. Der hat beim Bohren immer gesagt, ich soll die Hand heben wenns weh tut und dann aber trotzdem nicht damit aufgehört.

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    2. Ja das kann gut sein! So war das bei meinem ersten Zahnarzt auch. Ich hab dann vor - während & nach dem Zahnarzttermin nur geheult und meine Mutter konnte das einfach nicht ertragen. Deswegen haben wir den Zahnarzt dann (zum Glück) gewechselt. :) Versuch es einfach mit regelmäßigen Zahnarztgängen, das ist glaub ich das Beste was hilft :)

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  3. Ach Du Ärmste. Bis jetzt hatte ich noch nie (toitoitoi) größer Probleme. Ich gehe einmal im Jahr hin zur Kontrolle. Das mache ich aber auch nicht gerne, eher wegen den Kids. Man will ja Vorbild sein. DA gehe ich lieber zum Gyn und diesen Besuch finde ich schon ätzend.

    LG

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  4. also mir geht es da genauso wie dir! ich bin letztes Jahr nach gut 10 jahren oder so, das erste mal wieder zum Zahnarzt gegangen, ebenfalls weil ich einen halb abgebrochenen Backenzahn hatte der dazu auch faulig war, aufgrund einer Füllung =))
    nun gleich beim ersten Zahnarztbesuch nach 10 Jahren hatte man spontan beschlossen ihn mir zu ziehen und mein weisheitszahn daneben wurde gleich mitgezogen... die Betäubungsspritze konnte man mir erst nach 10x hin und her geben und die Arzthelferin musste mir dabei die Händchen halten xD
    Jedenfalls wurde danach, nach und nach wieder was erneuert, bis ich iwann einen termin vergas und mich seitdem wieder drück xD

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  5. Uiweh, das liest sich ja wirklich schlimm. Bei mir war's nur als Kind wirklich übel mit der Zahnarztangst (auch dank eines unsensiblen Arschlochs von Zahnarzt, der so einfühlsame Sätze wie "Heul doch nicht so laut, ich will mich mit der Sprechstundenhilfe unterhalten" oder auch "Stell dich nicht so an, wir wissen schon, wann's weh tut" von sich gegeben hat). Mittlerweile hat sich das irgendwie "ausgewachsen" - zwar bin ich da beileibe nicht entspannt, bekomme aber auch keinen Würgreiz mehr vor lauter Panik, wenn ich nur an einen Besuch dort denke.
    Nichtsdestotrotz bin ich auch ein absoluter Drückeberger, wenn's darum geht. Einmal im Jahr einfach so zur Kontrolle zu gehen, ist für mich fast unvorstellbar, da ignorier' ich das Ganze lieber, bis mal was Arges los ist. Was natürlich der gänzlich falsche Weg ist, ist mir schon klar. (Aus dem Grund trage ich auch seit mindestens fünf Jahren ein Provisorium, das, wie der Name schon sagt, nur für ein paar Wochen gedacht war, weil ich mich nicht zu dieser Implantatsgeschichte traue...)

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  6. Oh Gott, es tut mir leid, aber müsste ich nicht leise sein weil es 02:45h ist und das ganze Haus im Tiefschlaf liegt: ich würde laut Kreischen vor Lachen :-D
    Köstlich! Es tut mir sehr leid, dass Du so eine Panik vorm Zahnarzt und so schlechte Zähne hast, aber Dein Bericht liest sich wunderbar komisch.

    Übrigens gehe ich super gerne zum Zahnarzt ;-)
    Hatte noch nie Angst und ich freue mich einfach diebisch über die blöden Zahnarztgesichter, wenn sie in meinen Zähnen keine einzige Füllung finden und es nicht fassen können, dass es sowas tatsächlich gibt ;-)

    Ich wünsche Dir, dass Du Deine Angst besiegen kannst.
    Zahnärzte sind auch nur Menschen, ehrlich ;-)

    LG*

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  7. Hallo, es ist schön, dass du deinen Humor nicht verloren hast. In der Tat ist es so, wie du sagst: Die Behandlung tut so eigentich gar nicht weh, die Schmerzen kommen meistens erst hinterher, wenn die Spritze aufhört zu wirken. Nachdem ist das begriffen hatte, ist meine Angst vor dem Zahnarzt deutlich weniger geworden.

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