Donnerstag, 11. Oktober 2012

Buch der Woche: Isaac Marion: Mein fahler Freund

Hallo Mädelz,


also nervlich bin ich am Ende... Beizeiten muss ich euch unbedingt noch die Geschichte von meinem neuen Kleiderschrank erzählen – ein Drama in mehreren Akten… und das Ohr ist auch noch nicht viel besser geworden - es grüßt die taube Nuss!

Nun aber erstmal zu was erfreulicherem: Mein fahler Freund von Isaac Marion erschienen bei Klett Cotta in der Hobbit Presse.

 Wäre es mir nicht von einer befreundeten Buchhändlerin dringend ans Herz gelegt wordem, hätte ich es keines Blickes gewürdigt: Bei dem grenzwertigen Coverbild, zusammen mit dem schleimigen Stephanie Meyer Zitat hätte ich ein grenzdebiles Jugendbuch erwartet, in dem Twilight nochmal mit Zombies erzählt wird… Nicht besonders werbewirksam, wenn ihr mich fragt! 


Ohne Schutzumschlag sieht die Welt das Buch aber schon wieder anders aus, es ist schlicht schwarz mit blutrotem Einbandspiegel (hoffe der Ausdruck ist richtig, korrigiert mich bitte!), besonders schönem Druckbild, passenden Illustrationen und und und…. alles tollo! Nimmt man den Schutzumschlag ab, hat man ein hübsch, schlichtes Buch fürs Regal. 


Worum geht’s?

Die Welt ist den Bach runtergegangen: Naturkatastrophen und daraus entstandene Kriege haben die Menschheit dezimiert und schließlich die Zombie-Seuche mit sich gebracht. Es geht nun aber nicht vorrangig um die wenigen verbliebenen Menschen, sondern um die Zombies. Genauer gesagt um R., der seinen vollständigen Namen vergessen hat – genau wie alle anderen Zombies auch.
R. leidet darunter, dass er nicht weiß wer er ist, sich an nichts erinnern, nur schlurfen, nicht richtig laufen kann, das Lesen verlernt hat und seine Gedanken nicht zu artikulieren weiß... das Zombiedasein scheint also recht bedauerlich. Einen Lichtblick bringt das Fressen menschlicher Gehirne. Diese lassen die Toten kurz an den Gedanken der Lebenden teilhaben. 
Bei einem Überfall auf eine Gruppe Menschen passiert dann etwas merkwürdiges: R. frisst das Gehirn eines Jungen, teilt seine Erinnerungen und verliebt sich unsterblich in dessen Freundin Julie. Von dem Wunsch geleitet Julie zu beschützen, beginnt R. sich zu verändern…

Klick mich groß!

Wie ist das umgesetzt?

Besonders sprachlich ist das Buch ganz wunderbar. Auf der Buchrückseite wird Audrey Niffenegger zitiert, sie bezeichnet den Stil als elegant und da kann ich nur zustimmen. Es „lustig“ zu nennen geht zu weit denke ich, der Humor ist nicht so angelegt, dass man laut auflacht aber eine gewisse Situationskomik ist nicht zu leugnen. Das Endzeitszenario ist stimmig, die „Charaktere“ sind interessant und angenehm. Besonders Julie ist keine typisch hirnlose Opfer-Blondine. Während das Buch über weite Teile wahlweise interessant, nett oder ungewöhnlich ist, wird es am Ende auch richtig spannend, auf übertriebenen Schnulz wird glücklicherweise verzichtet.

Klick mich groß!

Wie gefällt mir das?   
                                                         
 Die komplexen Gedanken eines schlurfenden Zombies vermittelt zu bekommen und dann auch noch  in schönster Sprache fand ich ziemlich einzigartig und gut. Sowas ist mir noch nie untergekommen und das ist immer ein Plus!!
Endzeitszenarien gefallen mir generell und zu gruselig war es auch nicht. Einzig mit dem Ende bin ich nicht ganz glücklich, da möchte ich aber nicht zu viel verraten.

Wem gefällt das?

Zombiefans, Freunden ungewöhnlicher Geschichten und all denen, die an das Gute im Menschen (oder Zombie ;)) glauben.

Ein sehr ungewöhnliches Buch, das mich gut unterhalten hat. Habt ihr den fahlen Freund schon gelesen oder plant es? Spricht euch das Zombiethema an oder findet ihr das blödsinnig? Kennt ihr was vergleichbares? Und was sagt ihr zu dem Cover?

Kommentare:

  1. Geez.... Titel, Umschlag, Einstieg deinere Rezi - eigentlich gar nix für mich. Aber weil ich deine Meinung in der Regel teile habe ich bis zum Ende und dann auch die zwei Textausschnitte gelesen. Die amazon Bestellung ist schon raus^^ Was für ein cooles Thema!!!

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  2. Zombiekram interesdsiert mich in der Regel nicht, das Cover sieht auch furchtbar abschreckend aus, aaaaaaaaber deine Rezension macht doch neugierig. Endzeitstimmung mag ich gern (naja, auf so 'ne unbequeme Art halt) und Bücher aus unerwarteten Perspektiven ebenfalls. Muss ich mir wohl doch mal anschauen. (Wenn meine Leseblockade endlich mal vorbeigeht - ja, sowas gibt's. Ich kann spätestens nach zehn Seiten der Handlung nicht mehr folgen, egal wie spannend. Ätzend ist das.)

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  3. Das Cover ist wirklich grausam und hindert bestimmt massig Leute am Kauf. Wer das verbrochen hat, gehört von Zombies gefressen :) Endzeitstimmung mag ich auch irgendwie, keine Ahnung eigentlich warum. Zu dem Thema kann ich hier auch nochmal mein Lieblingsbuch vorstellen, das ist nur gerade verliehen... Die Leseblockaden kenn ich, bei mir hilft dann nur ein wirklich, wirklich gutes Buch. Und die Stimmung muss es treffen. Ich hab in solchen Phasen ganze stapel auf dem Nachttisch und probier munter durcheinander, bis irgendwas geht (ganz ohne lesen geht bei mir nicht, das gehört zur Einschlafroutine)

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